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Die Berge im Sommer mögen einladend wirken, doch sie bleiben eine sich ständig verändernde und komplexe Umgebung. Das Verständnis objektiver Gefahren ist entscheidend, um sich bewusster zu bewegen und Risiken zu minimieren.
Das Wetterrisiko im Sommerbergsteigen zählt zu den gefährlichsten Faktoren, da sich die Bedingungen in den Bergen schnell ändern können – oft sogar innerhalb weniger Stunden. In den Alpen und im Apennin führt die Kombination aus Hitze und atmosphärischer Instabilität häufig zur Bildung intensiver konvektiver Phänomene. In den zentralen Nachmittagsstunden, insbesondere zwischen Juli und August, können sich rasch Cumulonimbus-Wolken entwickeln, die Gewitter mit Blitzschlag, Hagel und starken Windböen auslösen.Blitze stellen die größte direkte Gefahr im Sommerbergsteigen dar. In großer Höhe erhöht es das Risiko erheblich, sich auf einem Grat, an einer Felswand oder in anderem exponierten Gelände zu befinden, da man dort eher von einer elektrischen Entladung getroffen werden kann.Es ist entscheidend, die Warnzeichen eines heranziehenden Gewitters zu erkennen: eine schnelle Zunahme der Bewölkung, fernes Donnergrollen, sich aufstellende Haare (ein Hinweis auf ein starkes elektrisches Feld) sowie summende Geräusche oder der Geruch von Ozon.Was tun, wenn ein Gewitter naht?Reduzieren Sie sofort die Exposition, indem Sie von Gipfeln und Graten absteigen. Halten Sie Abstand von einzelnen Bäumen, Felswänden und Wasser. Bewahren Sie Abstand zu anderen Personen, entfernen Sie metallische Gegenstände und gehen Sie in eine niedrige, kauernde Position, bis das Gewitter vorüber ist.
Die sommerliche Schmelze ist eine der Hauptursachen für Gesteinsinstabilität in hohen Lagen. Wenn das Eis, das Felsblöcke zusammenhält, schmilzt, verlieren diese ihre natürliche Verankerung und können sich lösen – mit potenziell schwerwiegenden Folgen für Personen darunter.Die gefährlichsten Zeiten für Steinschlag sind die Mittagsstunden, wenn die Sonne die Felswände aufheizt und den Schmelzprozess beschleunigt. Bereiche, die vermieden oder möglichst schnell durchquert werden sollten, sind Rinnen, Zonen unterhalb von Felswänden sowie Routen mit deutlichen Anzeichen jüngster Erosion.Was tun bei Steinschlag?Das Tragen eines Helms ist im alpinen Gelände unerlässlich. Bewegen Sie sich in einer kompakten Seilschaft mit Ihren Kletterpartnern und vermeiden Sie es, sich über die Wand zu verteilen. Werden Steine versehentlich ausgelöst, warnen Sie sofort andere mit einem klaren „Stein!“ und verringern Sie Ihre Exposition, indem Sie sich nahe an die Wand bewegen. Außerdem ist es ratsam, längere Aufenthalte unter Felswänden zu vermeiden – insbesondere während der heißesten Stunden des Tages, wenn das Steinschlagrisiko steigt.
Wer sich auf Gletscher und verbleibende Schneefelder begibt, muss sich mit Gletscherspalten auseinandersetzen – tiefen Rissen im Eis, die durch die Bewegung oder Ausdünnung des Gletschers entstehen. Im Sommer wird die Schneedecke über diesen Spalten, sogenannte Schneebrücken, durch steigende Temperaturen geschwächt und kann unter dem Gewicht eines Bergsteigers einbrechen.Das Risiko, in eine Spalte zu stürzen, ist besonders während der wärmsten Stunden des Tages hoch, wenn Schneebrücken weniger stabil sind. Die grundlegende Regel lautet, sich auf Gletschern angeseilt zu bewegen und das Seil zwischen den Gruppenmitgliedern stets ausreichend gespannt zu halten, sodass im Falle eines Sturzes ein Partner den Sturz halten und Hilfe leisten kann.Die Fähigkeit zur Selbstsicherung mit dem Eispickel sowie Kenntnisse in der Spaltenbergung sind unerlässlich, bevor man sich auf eine Gletschertour begibt – auch im Sommer.
Ein häufig unterschätztes Risiko beim Sommerbergsteigen steht im Zusammenhang mit hohen Temperaturen: Hitzschlag und Dehydrierung sind besonders gefährlich, da sie sich schleichend entwickeln – oft dann, wenn sich der Bergsteiger bereits weit von einem sicheren Punkt entfernt hat.
In höheren Lagen ist die Sonneneinstrahlung aufgrund der geringeren atmosphärischen Filterung intensiver. Gleichzeitig kann Wind die gefühlte Temperatur senken, während die körperliche Anstrengung starkes Schwitzen verursacht, was zu einem erheblichen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten führt. Zu den Symptomen einer Dehydrierung gehören ein trockener Mund, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, verminderte Konzentrationsfähigkeit und eingeschränkte Koordination – alles Faktoren, die das Unfallrisiko deutlich erhöhen.
Praktische Tipps:Trinken Sie regelmäßig, noch bevor Sie Durst verspüren (mindestens 0,5 Liter pro Stunde während der Aktivität), führen Sie für mittel lange Touren mindestens 2 Liter Wasser mit, gleichen Sie bei starkem Schwitzen Elektrolyte aus, verwenden Sie Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor (SPF 50+) und tragen Sie während der sonnenreichsten Stunden eine Mütze oder eine Kappe mit Schirm.
Sicherheit in den Bergen ist kein Zufall: Sie ist das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitung, durchdachter Entscheidungen und eines konsequent richtigen Verhaltens. Hier sind die Maßnahmen, die jeder Bergsteiger stets beachten sollte.
Die Planung einer Bergtour sollte immer mit der Konsultation eines bergspezifischen Wetterberichts beginnen. Allgemeine Wetterprognosen sind nicht ausreichend, da die Bedingungen in der Höhe völlig anders sein können als im Tal. Zuverlässige Quellen sind regionale Wetterdienste sowie spezialisierte Hochgebirgsprognosen von Alpenvereinen.
Ebenso wichtig ist es, die Wetterentwicklung in den Stunden vor der Tour sowie während des Zustiegs zu beobachten. Schnelle Änderungen des Luftdrucks und die Bildung bestimmter Wolkentypen – wie bereits am frühen Morgen aufquellende Cumuluswolken oder linsenförmige Wolken über Gipfeln – sind Warnsignale, die nicht unterschätzt werden sollten.
Die goldene Regel ist einfach: Im Zweifelsfall umkehren.
Vor dem Aufbruch ist es unerlässlich, die geplante Route genau zu kennen. Dazu gehört das Studium aktueller Alpinführer, das Lesen aktueller Erfahrungsberichte von Personen, die dieselbe Route bereits begangen haben, sowie die Analyse topografischer Karten.Zu den wichtigsten Aspekten, die sorgfältig geprüft werden sollten, zählen der gesamte Höhenunterschied und die Verteilung der Anstrengung entlang der Strecke, technische Passagen wie Fels-, Eis- oder kombiniertes Gelände, sogenannte „Point of no return“, an denen ein Abstieg schwieriger wird als der weitere Aufstieg, mögliche Ausweich- und Fluchtrouten sowie die durchschnittlichen Begehungszeiten.Das Verständnis des Geländes anhand der Karte hilft dabei, sich vor Ort besser zu orientieren und auch bei wechselnden Bedingungen fundierte Entscheidungen zu treffen.
Mountaineering-Kollektion
Bereite dich auf die bevorstehende Tour vor
Eine gut ausgestattete Erste-Hilfe-Ausrüstung sollte im Rucksack eines Bergsteigers niemals fehlen. Es ist nicht notwendig, eine vollständige medizinische Ausrüstung mitzuführen, doch einige grundlegende Utensilien können im Notfall entscheidend sein: Pflaster, elastische Bandagen, sterile Kompressen und Desinfektionsmittel, eine Rettungsdecke sowie Schmerzmittel und Antihistaminika.Darüber hinaus wird empfohlen, einen Erste-Hilfe-Kurs für den Einsatz im Gebirge zu absolvieren, der von Alpenvereinen oder dem Roten Kreuz angeboten wird. Zu wissen, wie man sich bis zum Eintreffen von Rettungskräften verhält, ist ebenso wichtig wie die richtige Ausrüstung.
Das Netz an Berghütten ist eine der wertvollsten Ressourcen im europäischen Alpinismus. Hütten sind nicht nur Orte zum Übernachten und Essen, sondern wichtige Anlaufstellen, an denen man aktuelle Informationen über die Bedingungen im Gebirge erhält, bei plötzlichen Wetterumschwüngen Schutz findet und sich darauf verlassen kann, dass das Personal im Notfall Rettungsdienste verständigt.
Vor dem Aufbruch ist es ratsam:• Zu prüfen, welche Hütten entlang oder in der Nähe Ihrer Route liegen;• Die saisonalen Öffnungszeiten zu kontrollieren, da viele Hütten von Juni bis September bewirtschaftet sind;• Den Aufenthalt im Voraus zu reservieren, insbesondere an Sommerwochenenden;• Sich über die Lage von Biwaks zu informieren – unbewirtschaftete Notunterkünfte, die im Bedarfsfall zur Verfügung stehen.
Vor dem Aufbruch ist es unerlässlich zu wissen, wie man im Notfall Hilfe anfordert. In Italien ist die einheitliche Notrufnummer für Bergnotfälle die 112, über die der Berg- und Höhlenrettungsdienst alarmiert wird. In alpinen Regionen ist häufig auch die direkte Nummer 118 verfügbar.
Allerdings ist die Mobilfunkabdeckung im Hochgebirge oft gar nicht vorhanden oder stark eingeschränkt. Aus diesem Grund ist es ratsam:
• Einer Vertrauensperson im Tal Ihre Tourenplanung mitzuteilen, einschließlich Ziel, Route und geplanter Rückkehrzeit, mit der Anweisung, bei Ausbleiben einer Rückmeldung innerhalb eines festgelegten Zeitraums die Rettung zu verständigen;• Karten der Region vor der Abreise offline herunterzuladen, solange noch eine Internetverbindung besteht;• Für abgelegene Touren die Anschaffung eines persönlichen GPS-Notrufsenders in Betracht zu ziehen, da diese Geräte Notrufe senden und den Standort auch ohne Mobilfunknetz übermitteln können;• Eine Pfeife und einen Signalspiegel mitzuführen.
Das Sommerbergsteigen gehört zu den schönsten und erfüllendsten Erlebnissen, die das Gebirge bieten kann. Doch wie jede große Herausforderung erfordert es Respekt – Respekt vor den Bergen, ihren Regeln und den eigenen Grenzen. Mit sorgfältiger Vorbereitung, der richtigen Ausrüstung und einem ausgeprägten Sicherheitsbewusstsein kann jeder Gipfel zu einem erreichbaren Ziel werden, das verantwortungsvoll angegangen wird. Genießen Sie die Berge.
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