Culture

A Look Beyond

Island zu Fuß von Nord nach Süd über mehr als 400 km in völliger Autonomie zu durchqueren, war für mich eine ganzheitliche Erfahrung – menschlich noch mehr als körperlich. Den eisigen Wind, Lavawüsten, Regen, Flussdurchquerungen und absolute Stille zu erleben, wurde zu einer Möglichkeit, mich selbst herauszufordern und meine Beziehung zur Welt und zu mir selbst neu zu entdecken. Trotz eines Sehrests von unter 3 %, der mich rechtlich als blind einstuft, habe ich mich bewusst für dieses Abenteuer entschieden, um meine Sinne zu schärfen, mein Inneres zu erkunden und mich mit dem Wesentlichen des Daseins zu verbinden. Jeder Schritt, jede Anstrengung, jedes Detail – vom Heulen des Windes bis zum kratzenden Sand – wurde Teil einer neuen Sprache aus Emotion, Intuition und Wahrnehmung. Diese Reise war nicht nur ein Akt des Mutes oder der Ausdauer, sondern auch ein Beweis dafür, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren – und dass selbst in der Behinderung Kraft, Schönheit und Authentizität liegen können. Ich wollte niemandem etwas beweisen – außer mir selbst: dass wahre Entdeckungsreisen heute nicht mehr durch unbekannte Länder führen, sondern tief in das eigene Innere. In Island bin ich den Urkräften der Natur begegnet – aber auch meiner Verletzlichkeit und meiner Entschlossenheit. Und mitten im Nirgendwo habe ich alles gefunden.

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